Manche Antworten brauchen Zeit. Zeit zum Nachdenken. Zeit zum Erzählen. Und manchmal auch eine zweite oder dritte Frage, bevor sichtbar wird, was einen Menschen wirklich bewegt.
Genau diesen Raum schaffen Tiefeninterviews. Im persönlichen Gespräch können wir nachfragen, Zusammenhänge verstehen und Themen vertiefen, die sich mit einem standardisierten Fragebogen nur schwer erfassen lassen.
Ein „Ja“ oder „Nein“ kann eindeutig sein. Aber es erklärt nicht, warum jemand so entschieden hat. Welche Erfahrungen dahinterstehen. Welche Zweifel es gab. Oder was möglicherweise gar nicht ausgesprochen wurde.
Genau dort beginnt das Tiefeninterview. Wir folgen nicht einfach einem Fragebogen von Punkt zu Punkt. Wir hören zu, fragen nach und gehen dort tiefer, wo im Gespräch etwas Interessantes, Überraschendes oder Widersprüchliches entsteht.
Ein Tiefeninterview ist ein ausführliches persönliches Gespräch mit einer einzelnen Person.
Grundlage ist in der Regel ein Gesprächsleitfaden. Er gibt dem Interview Struktur, lässt aber bewusst Raum für individuelle Antworten und neue Themen.
So können wir Motive verstehen, Erfahrungen einordnen und Zusammenhänge erkennen, die vorher vielleicht noch gar nicht sichtbar waren.
Tiefeninterviews führen wir persönlich vor Ort oder online durch.
Mit den Menschen, deren Perspektive für eine Fragestellung wichtig ist. Das können Konsument:innen und Kund:innen sein, aber ebenso Händler, Hersteller, Unternehmer:innen, Entscheider:innen, Einkäufer:innen, Mitarbeiter:innen oder Branchenexpert:innen.
Wir suchen Menschen mit ganz bestimmten Erfahrungen, Personen aus spezialisierten Funktionen oder Märkten – oder ganz unterschiedliche Perspektiven auf dasselbe Thema.
Die richtigen Menschen
Am Anfang überlegen wir, wessen Erfahrungen und Wissen wir brauchen. Je spezifischer das Thema, desto wichtiger ist eine gezielte Auswahl der Gesprächspartner:innen.
Die richtigen Fragen
Für jedes Projekt entwickeln wir einen Gesprächsleitfaden. Er enthält die Themen, die wir verstehen möchten, ist aber kein starres Korsett. Ein gutes Tiefeninterview muss die Freiheit haben, einer interessanten Antwort zu folgen.
Das richtige Gespräch
Tiefeninterviews brauchen Erfahrung und Fingerspitzengefühl. Unsere Interviewer:innen sind darin geschult, Gespräche zu führen, zuzuhören und an den richtigen Stellen nachzufragen. Gerade bei persönlichen, komplexen oder sensiblen Themen ist eine Gesprächssituation wichtig, in der Menschen offen erzählen können.
Die richtige Auswertung
Am Ende interessiert uns nicht nur, was einzelne Menschen gesagt haben. Wir suchen nach wiederkehrenden Motiven, Gemeinsamkeiten und Unterschieden. Nach Zusammenhängen, Widersprüchen und neuen Fragen.
Tiefeninterviews können eine eigenständige Untersuchung sein. Sehr häufig sind sie aber auch ein qualitativer Baustein innerhalb eines größeren Forschungsprojektes.
Vor einer quantitativen Befragung helfen sie uns dabei, Themen, Bedürfnisse, Herausforderungen und Erwartungen zunächst zu verstehen. Daraus können Fragen und Hypothesen für die anschließende Hauptstudie entstehen.
In einem aktuellen Forschungsprojekt setzen wir qualitative Gespräche ein, um Zukunftsthemen wie Nachwuchs, Prävention, Versorgung, Digitalisierung und veränderte Erwartungen genauer zu erfassen. Die Erkenntnisse fließen anschließend in die quantitative Forschung und die Entwicklung von Zukunftsszenarien ein.
Nach einer quantitativen Befragung können Tiefeninterviews wiederum helfen, überraschende Ergebnisse genauer zu erklären. Warum antworten zwei Gruppen unterschiedlich? Was steckt hinter einer Entwicklung, die in den Zahlen sichtbar wird? Welche Erfahrungen oder Motive können sie erklären?
Manche Fragestellungen brauchen sehr spezielles Wissen. In einem unserer Projekte wurden deshalb gezielt persönliche Interviews mit unterschiedlichen Expert:innen eingeplant – unter anderem mit Vertreter:innen von Herstellern, Zertifizierungsstellen, Ministerien, einer Förderinstitution und Umweltorganisationen. Die unterschiedlichen Perspektiven waren dabei ausdrücklich gewollt. Denn gerade bei komplexen Themen entsteht ein vollständigeres Bild häufig erst, wenn Menschen mit unterschiedlichem Wissen und unterschiedlichen Erfahrungen zu Wort kommen.
Beide Methoden ermöglichen qualitative Forschung. Die Gesprächssituation ist jedoch eine andere.
In einer Fokusgruppe reagieren Menschen aufeinander. Eine Meinung löst die nächste aus, unterschiedliche Sichtweisen werden unmittelbar diskutiert.
Im Tiefeninterview gehört die Aufmerksamkeit einer einzigen Person. Das schafft mehr Raum für persönliche Erfahrungen, individuelle Motive und Themen, über die Menschen in einer Gruppe möglicherweise nicht genauso offen sprechen würden.
Welche Methode besser passt, hängt davon ab, was wir verstehen möchten.
Vielleicht möchten Sie wissen, warum Menschen ein Produkt kaufen oder ablehnen. Was Entscheider:innen bei ihrer Wahl beeinflusst. Welche Bedürfnisse bislang unerkannt geblieben sind. Oder was hinter einem überraschenden Ergebnis Ihrer bisherigen Forschung steckt.
Vielleicht wissen Sie aber auch noch gar nicht genau, welche Fragen Sie stellen sollten. Auch dann können wir gemeinsam anfangen. Wir finden die richtigen Gesprächspartner:innen, entwickeln den Leitfaden und gehen im Gespräch dort in die Tiefe, wo es spannend wird.